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Was unsere Mitglieder beschäftigt...

"Der DJV berichtet zwar immer wieder darüber, wie schlecht es vielen freien Journalisten geht, aber dass war es dann auch schon. Wenn jedoch tatsächlich breits 60 Prozent seiner Mitglieder Freie sind, dann würde ich eigentlich mehr Unterstützung erwarten."

“Also ich kann mit Begriffen wie ‘Betriebsrat’, ‘Tarifverhandlungen’ und ‘Streik’ nichts anfangen. Ich habe wirklich andere Sorgen. Deshalb bin ich auch kein Gewerkschaftsmitglied.”

“Es ist einfach unverschämt: Dass der Auftraggeber den Preis einer Leistung bestimmt, das gibt es ja wohl nur bei uns Kultur-Freiberuflern!”

“Ich bin in keiner der Gewerkschaften - ihr Image ist nicht besonders gut. Insofern würde es wohl auch meiner Karriere schaden.”

"Die oberen ver.di-Funktionäre sind bereits wie die Politiker:
Sie bestimmen ihr Gehalt selbst. Aber nicht mehr mit meinem Geld - ich bin ausgetreten."

“Wieso nochmal zahlen? Haben wir ihm denn nicht die Urheberrechte abgekauft ...?!”, so ein deutscher Beamter zu dem Pressesprecher seiner Institution im Zusammenhang mit der Wiederverwertung von Profifotos.

"Wie nannte mein Lebensgefährte das, was ich beruflich mache? - 'Insolvenz-Journalismus'.”

“Na ja, wir haben aber auch unsere Probleme - zumindest was den Punkt ‘Frauen und Beruf’ angeht”, erzählt eine junge Medizinerin. “Ich war mal bei einem Bewerbungsgespräch, und da meinte der Chefarzt zu mir: ‘Ja, gegenüber Ihrem männlichen Mitbewerber haben Sie in jedem Fall die besseren Zeugnisse ... Jetzt legen Sie mir noch Ihre Gebärmutter auf den Tisch, dann stelle ich Sie ein.’ ...”

“Ich verstehe diese ganze Gewerkschaftssprache nicht. Sie kommt mir auch reichlich antiquiert vor. Mensch, wir leben im 21. Jahrhundert - und nicht mehr um 1950!”

“Ich führe ein Leben von einem Tag auf den anderen - nicht, weil ich das so wollte, sondern weil es nicht anders geht. Solange ich mich nicht darauf verlassen kann, dass der Kunde x mein Honorar am Tag y ohne irgendwelche Probleme anzuzetteln zu 100 Prozent überweist, kann ich nichts richtig planen. Ich bin jetzt 53 Jahre - und ich verbringe mein Leben wie ein Student: Wenn das Geld nicht reicht, muss ich in einer Gaststätte Kartoffeln schälen. Das ist die bittere Wahrheit. Ich bin müde, und ich bin es leid, ständig um einen Unterhalt zu kämpfen, der mir doch fraglos zusteht. Und weil ich glaube, das diese Probleme mit vernünftigen Regelungen ganz einfach aus der Welt zu schaffen wären.”

“Also, ich lebe nicht ewig. Und ich habe hier und heute jede Menge Probleme am Hals. Ich kann nicht warten, bis vielleicht irgendwann einmal die Gewerkschaften oder die Berufsverbände unsere ganzen Schwierigkeiten als freie Kulturberufler so verinnerlicht haben, dass sie sich auch wirklich um uns kümmern. Und ehrlich gesagt hege ich auch keine Hoffnung, dass solche Institutionen jemals in der Lage sein werden, schnell und flexibel zu reagieren. Wie denn auch: Die Leute, ich meine die Funktionäre und Sekretäre, haben ja ihr monatliches Gehalt - ob sie etwas tun oder nicht. Sie können sich doch gar nicht in unsere Situation hineindenken - oder -fühlen. Das soll kein Vorwurf sein - es ist eben einfach so.”

“Viele Ratschläge für Freie, die ich höre oder lese, sind einfach für’n A ... Ich kann wirklich nur noch den Kopf schütteln, wenn ich im ‘journalist’ lese: ‘”(...) Wenn Themen nicht abgekauft werden, hilft der Selbstvertrieb. Was Landwirte seit Jahrzehnten mit ihrem Verkauf direkt vom Laden tun, können Freie beispielsweise mit einem kleinen, aber kostenpflichtigen Newsletter erreichen: exklusive Kundenkreise ansprechen, die an hochwertiger Ware aus erster Hand interessiert sind und dafür auch etwas zahlen. Manche spezialisierten Newsletterdienste erreichen Abogebühren von mehr als 300 Euro pro Jahr - bei manchmal nur zweiwöchentlicher Erscheinungsweise. (...) Tipps für solche Geschäftsideen (...)’ Soll das ein Witz sein? Oder das hier ist auch nicht schlecht: ‘(...) Wer andere Einkunftsquellen oder eine/n gut verdienende/n Partner/in hat, mag sich zudem überlegen, ob in der Flaute nicht eine Auszeit sinnvoll ist - etwa eine Elternzeit. (...)’ So etwas kann doch kein Mensch ernsthaft vorschlagen wollen ... oder doch?!” (Zitiert wurde aus dem Artikel “Wege aus dem Notstand” von Michael Hirschler, Referent für Freie beim DJV in Bonn, “journalist”, Ausgabe Januar 2003 - Anm. d. Red.)

“Ich hab’ das Problem schon erkannt - und ich werde meinen Studentenstatus so lange wie möglich aufrechterhalten. Dann bin ich wenigstens einigermaßen versichert, und muss keine Steuern zahlen.”

“Ich hab’s satt, dass mir von vielen Festangestellten ständig das Gefühl gegeben wird, ich sei unfähig, oder gar ein Versager, nur weil ich Freiberufler bin. Vielmehr erwarte ich gerade Respekt, so hart, wie dieser Status derzeit ist. Respekt vor einer Entscheidung, die ich bereits vor über 20 Jahren getroffen habe. Mit welchem Recht darf mir heute ein Volontär vorschreiben, was ich zu tun oder zu lassen habe? Oder in meinen Artikeln rumschmieren, ohne diese ‘Korrekturen’ vorher mit mir abzusprechen?!”

“Mich ärgern vor allem zwei Dinge: Ich habe ein Tattoo-Studio. Und obwohl ich eine dreijährige Ausbildung zur Grafikerin - und damit zu einem künstlerischen Beruf absolviert habe, komme jetzt trotzdem nicht in der KSK unter. Zum anderen darf sich jeder, der ein bisschen mit Tinte und Nadel hantiert, einfach Tätowierer nennen - ohne jegliche Qualifikation. Das ist doch nicht in Ordnung!”

“Bei den IG Medien habe ich mich sehr wohl gefühlt. Aber mit ver.di kann ich mich nicht identifizieren. Da laufen mir zu viele Dinge gegen den Strich. Wie soll ich denn Beispielsweise hinter einer Organisation stehen, die eine Gewerbesteuer für Freiberufler fordert? Das kann doch nicht angehen!”

Weitere Meinungen für unsere MAULBOX sind jederzeit willkommen. Schickt einfach eine Mail an:

info@freie-kulturberufe.de

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Sommer 2003 

 
Ansprechpartner
Adriana Rossi
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